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Prüfmethoden für die Abgasuntersuchung

Endrohrprüfung versus OBD

 

Am 2. Juli 2013 hat das EU-Parlament entschieden, dass die Endrohrprüfung bei der Abgasuntersuchung europaweit als bevorzugte Messmethode erhalten bleiben soll. Im Vorfeld dieser Entscheidung wurden über die Tagespresse Meldungen veröffentlicht, wonach die Endrohrprüfung "völlig veraltet" sei und die OBD ausreiche, das Abgasverhalten von Kraftfahrzeugen zu überwachen. Harald Hahn, Leiter des ASA-Fachbereichs Diagnose nimmt dazu Stellung und erläutert die Position des ASA-Verbandes.

Defekte Fahrzeuge erhöhen das Unfallrisiko und verschmutzen die Umwelt. Deshalb ist die periodische technische Fahrzeuguntersuchung ein wichtiges Instrument, um die Unfallzahlen und die Emissionen im Straßenverkehr zu senken. In den Ländern der EU gibt es jedoch sehr unterschiedliche Anforderungen an die technische Fahrzeuguntersuchung. Um die Sicherheit und den Umweltschutz zu verbessern, arbeitet die EU-Kommission bereits seit Jahren daran, einheitliche Standards zu etablieren.

 

EU-weite Standards für die Fahrzeuguntersuchung

So wurde im Juni 2012 die Richtlinie EC 380/2012 veröffentlicht. Sie regelt die Mindestanforderungen und Prüfumfänge für die periodische technische Fahrzeuguntersuchung. In der Zwischenzeit wurden die Vorgaben der EC380/2012 in verschiedenen Ausschüssen diskutiert. Die Ergänzungen wurden am 2. Juli 2013 in einem so genannten Anhörungsverfahren dem EU-Parlament zur Abstimmung vorgelegt. Unter anderem wurde den Abgeordneten empfohlen, bei der Abgasuntersuchung (AU) die Endrohrprüfung als Standardprüfmethode beizubehalten, da die OBD hierfür nicht geeignet ist. Außerdem wurde vorgeschlagen, die OBD-Funktionen und eine Stickoxidmessung in den Prüfumfang der AU aufzunehmen. Das EU-Parlament hat diesen Vorschlägen zugestimmt. Sie werden nun in einem weiteren Verfahren in die EU-Gesetzgebung eingearbeitet. "Wir begrüßen die Entscheidung des EU-Parlaments und sehen darin eine gute Ausgangsposition dafür, dass die Endrohrprüfung im Sinne eines bestmöglichen Umweltschutzes erhalten bleibt", sagt Hahn.

 

Fakten zur Abgasuntersuchung

Im Vorfeld der Abstimmung im EU-Parlament wurden über die Tagespresse Meldungen verbreitet, wonach unter anderem die Endrohrprüfung als "völlig veraltet" und die OBD als Maß aller Dinge für die Emissionsüberwachung dargestellt wird. Auch die Sinnhaftigkeit der Stickoxidmessung wurde stark angezweifelt. "Der Inhalt dieser Meldungen ist sehr populistisch formuliert und zudem inhaltlich völlig falsch" sagt Harald Hahn, Leiter des ASA-Fachbereichs Diagnose. Seinen Worten zufolge stellen sich die Fakten ganz anders dar:

  1.             Die Endrohrprüfung ist weder veraltet noch wurde sie in Europa jemals abgeschafft. Sie ist in der aktuell gültigen Richtlinie EC 2010/48 fest verankert. Bei der Abgasuntersuchung an Benziner können im Leerlauf Informationen aus dem OBD-System genutzt werden. Beim Diesel ist die OBD als alternative Prüfmethode überhaupt nicht vorgesehen. Deutschland hat hier mit dem AU-Leitfaden 4 einen Sonderweg beschritten, der von der EU-Gesetzgebung nicht gedeckt ist und im klaren Widerspruch zu gültigen Richtlinien steht.
  2.       Viele Studien (EmissionCheck 2010, UBA-Studie, TEDDY-Studie) haben gezeigt, dass die OBD die Endrohrprüfung nicht ersetzen kann. Das OBD-System ist nicht dafür ausgelegt und auch nicht dafür geeignet. Bei der OBD werden keine Abgaskomponenten gemessen. Störungen werden aufgrund eines Rechenmodells und auf Basis von Plausibilitätsprüfungen angezeigt. Zudem betragen die OBD-Ansprechschwellen das zig-fache der gültigen Grenzwerte.
  3.       Neueste Untersuchungen in Frankreich an 430.000 Fahrzeugen haben gezeigt, dass 6,13 Prozent der Dieselfahrzeuge bei der Endrohrprüfung (Opazität) auffällig waren. Mit der OBD-Prüfung allein wären nur 0,14 Prozent auffällig gewesen. Damit bestätigen die in Frankreich durchgeführten Untersuchungen die Ergebnisse der in Punkt zwei genannten Studien. Die Auswertungen haben außerdem gezeigt, dass insgesamt 1,81 Prozent der Fahrzeuge einen Fehler im OBD System abgelegt hatten. Ferner hätten 91 Prozent der Fahrzeuge trotz Ablage eines P0-Codes im Fehlerspeicher die Abgasuntersuchung bestanden. Darin zeigt sich, dass die OBD mit den Ergebnissen einer Endrohrprüfung wenig zu tun hat.
  4.       Mit der TEDDY Studie, die von der EU-Kommission in Auftrag gegeben wurde und öffentlich zugänglich ist, wurde des Weiteren gezeigt, dass die Stickoxidmessung bei der Abgasuntersuchung an Dieselmotoren zu einer weiteren Verbesserung des Umweltschutzes beitragen kann. Stickoxide entstehen nur bei einem ?heißen Motor?. Die Stickoxidmessung muss jedoch nicht zwangsläufig auf einem Leistungsprüfstand erfolgen. In der TEDDY Studie wurde nachgewiesen, dass Stickoxide bei der freien Beschleunigung, so wie dies heute beim Messen der Opazität üblich ist, zuverlässig ermittelt werden können.

    Der Stickoxidausstoß ist trotz neuer Abgasvorschriften in den EU-Ländern nicht zurückgegangen. Während bei der AU an Ottomotoren mehrere Abgaskomponenten gemessen und zur Beurteilung herangezogen werden, wird bei Dieselmotoren aktuell nur der Trübungswert betrachtet. Der Partikelausstoß und die Sickoxidemissionen beeinflussen sich jedoch bei Selbstzündern gegenseitig. Die zusätzliche Stickoxidmessung bei der AU lässt damit deutlich bessere Rückschlüsse auf die Qualität der Verbrennung im Dieselmotor zu. Auch fehlerhafte Abgasnachbehandlungssysteme können mit der Stickoxidmessung erkannt werden. Dies wird bei der heutigen AU nicht berücksichtigt. Aus dieser Perspektive macht das Messen der Stickoxide zukünftig Sinn, auch wenn die Grenzwerte noch erarbeitet werden müssen.